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Ironman 70.3 in Zell

2. Platz für Dominique Lothaller!

Zell am See - Dominique auf dem RadZell am See - Dominique auf dem Rad

 Zell am See LaufbewerbZell am See Laufbewerb

 

Zieleinlauf! Dominique erreicht den 2. Platz!Zieleinlauf! Dominique erreicht den 2. Platz!

 Siegerehrung Zell am See 2015 - Dominique Lothaller ganz linksSiegerehrung Zell am See 2015 - Dominique Lothaller ganz links

2. Platz beim Ironman 70.3 in Zell am See

Veröffentlicht am 07.09.2015

Von Zell am See nach Australien
Ironman 70.3 in Zell am See...was für ein Tag, was für ein Wochenende...mir fehlen zum Teil noch immer die Worte.

Nach meinem verpatzten Schweden-Auftritt war Zell (eine Halbdistanz, also ein halber Ironman) mein Hauptrennen der restlichen Saison, das "A-Rennen", für das ich mehr als hart trainiert, mich wirklich perfekt vorbereitet (zwei Wochen davor war ich 9 Tage dort trainieren und kannte die Strecke daher richtig gut) hatte, mit dem großen Ziel einer Qualifikation für die WM 2016 in Australien. Also gar kein Druck ;-)
Dass ich für dieses Ziel sehr weit vorne sein musste bei den Damen bzw. in meiner Altersklasse zumindest aufs Stockerl, besser noch, die Klasse gewinnen musste, war von vornherein klar. Dass dann aber das passieren würde, was passiert ist, dass so etwas möglich war, damit hatte ich doch nicht gerechnet.
Und doch wusste ich es irgendwie innerlich. Als ich in der Früh ins Wasser ging, um mich aufzuwärmen und mich dann im Startbereich ganz vorne platzierte, war es irgendwie in mir drinnen - ich kann das heute gewinnen, also meine Klasse, und ich gehe nach Australien, ich schaff das. Keine Ahnung, warum, gerade an diesem Selbsvertrauen mangelte es bei meinen bisherigen Rennen, und genau daran hatte ich die letzten zwei Monate intensivst gearbeitet, und plötzlich war es da.
Am Tag zuvor noch rutschte mir wie üblich beim race briefing das Herz (samt Selbstvertrauen) in die Hose. Wenn hier alle beisammen sitzen bzw eigentlich nur die deutsch-sprechende Hälfte der Teilnehmer und die Muskeln aus allen T-Shirts hervor quellen, fühle ich mich jedes mal klein und ein bisschen schwach und frage mich, wie ich auf die Idee kommen kann, dass ich hier etwas reiße... Es ist jedes mal dasselbe, deshalb hasse ich auch diese briefings, aber das muss halt sein. Danach bin ich auch so schnell wie möglich mit meinem Hund im Wald verschwunden, um dort mein Selbstvertrauen wieder zu finden :-)
 
Das besondere an diesem Bewerb war ja, dass aufgrund der WM am nächsten Tag keine Profis am Start standen. Ich wusste auch, dass einige besonders gute Österreicherinnen an der WM Teil nahmen und somit keine Konkurrenz für mich waren, allerdings waren doch fast 400 Frauen am Start, viele aus dem Ausland und sicher einige sehr gute dabei, wie bei jedem 70.3-Rennen, außerdem war dies hier die einmalige Gelegenheit für einen agegrouper bzw eine age grouperin, einmal so ein riesiges internationales Rennen zu gewinnen, daher ging ich davon aus, dass es einige probieren würden und der Kampf hart werden würde.
 
Aber es war da, das Selbstvertrauen, das innere Selbstwertgefühl, ganz tief drinnen, "ich bin es wert"... das war da und hat mich alle Ressourcen aktivieren, alles aus mir heraus holen lassen, was ich nie zuvor so aus mir raus holen konnte, alles, was da war, einfach alles, vom ersten Schwimmzug über jeden einzelnen Pedaltritt bis zum letzten Schritt über die Ziellinie.
 
Und so ist es "geflutscht", es war knallhart und ich noch nie so am Limit, aber es ist einfach geflossen, durchgehend mit dieser inneren Kraftquelle - "ich bin es wert".
Zuerst gab es einmal einen Fehlstart bei den Damen und sie mussten einen kleinen Haufen übereifriger Schwimmerinnen wieder zurückholen, sodass wir ziemlich lange im Wasser warteten und meine Hände bis zum eigentlichen Startschuss gefroren waren. Aber all das spürt man nicht mehr, sobald es los geht. Ich bekam relativ bald mit, dass ich doch weiter vorne im Feld der rosa Badekappen schwamm und schätzte, dass vor mir vielleicht 10-20 Frauen aus dem Wasser stiegen, mehr nicht. Ein guter Anfang, voller Freude stieg ich aufs Rad und fing an zu zählen, wie viele Damen ich überholte.
Die Radstrecke war traumhaft, sicher einer der schönsten Bewerbe überhaupt, was die Strecken betrifft und schwer weiter zu empfehlen!! Ein paar Höhenmeter muss man halt überwinden, aber wenn man das trainiert, geht das schon :-)
Am höchsten Punkt, nach einem 43 Minuten-langen Anstieg (im race pace, im Training ging das nicht so schnell), der in  einem schweiß- und zum Teil zur Verzweiflung-treibenden Anstieg von 14% endete - im nachhinein hörte ich Erzählungen von Teilnehmern, die ihre Schlapfen im Radtrikot eingesteckt hatten, um dann dort ihr Rad schieben zu können - riefen mir einige Zuschauer zu, ich sei die dritte Frau... was, wie bitte?!?! Ich? Hilfe!!
Und schon erschien vor mir Nummer zwei und wir matchten uns hin und her für den Rest der Strecke. Dann bekam die arme Konkurrentin eine Zeitstrafe und mir wurde bewusst, dass ich als zweite Frau gesamt auf die Laufstrecke gehen würde. Bumm, das war mir noch nie passert. Bei so einem Rennen, ausverkauft, 2.200 Teilnehmer, auf der Starterliste 408 Frauen, selbst wenn einige nicht an den Start gegangen sind, bleiben noch immer weit über 300. Und die sind jetzt alle hinter mir!!! Mit dem Druck musste ich mal umgehen, mich seelisch darauf vorbereiten auf den letzten Radkilometern.
 
Ja, und dann bin ich um mein Leben gerannt. Alles, was noch ging mit den leeren Beinen, die am Rad wirklich alles gegeben hatten und jetzt eigentlich keine Lust mehr auf einen Halbmarathon hatten. Es war alles egal, ich konzentrierte mich nur auf mein inneres "Ich bin es wert" und auf jeden Schritt und meine Lauftechnik. Ich wusste, dass jeder Schritt mich meinem Ziel, Australien, näher brachte, aber auch, dass ich jetzt alles geben musste, um diese Position zu halten. Alles, mehr als jemals zuvor.
Die Laufstrecke war doch um einiges härter, als ich dachte, es ging 3x in den Ort hinein, rauf, runter, rauf, runter, uff.. aber gut, ist auch nicht der Dorfwettbewerb im Sackhüpfen hier, also kein Jammern.
 
Noch nie wurde ich so angefeuert, an den "Hot Spots" tobten die Leute, überall rief man mir meine Platzierung zu, die Sprecher kündigten mich als erste Österreicherin an und Führende in meiner Altersklasse, es war überwältigend und mobilisierte Kräfte, von denen ich nicht wusste, dass sie da waren. Hitze, leere Beine, Durst, manchmal etwas Schwindel, ich konnte alles ignorieren und lief einfach. Und es reichte, um die Platzierung zu halten. Auf den letzten 4 Kilometern wusste ich, dass es sich ausgehen würde, dass ich als Gesamtzweite, schnellste Österreicherin und Siegerin meiner Klasse ins Ziel kommen würde, dass ich meinen Platz für die WM fix hatte, wenn ich so weiter lief. Und ich genoss dieses Gefühl in vollen Zügen, auch wenn ich den letzten Anstieg zum Ziel hin am liebsten gegangen wäre, weil ich völlig am Ende war. Es war alles egal, das war mein Tag, an dem endlich alles aufging.
 
Ich kann kaum beschreiben, wie sich der Zieleinlauf angefühlt hat, Glück und Erschöpfung pur... man drückte mir ein riesiges Glas Bier (10 Liter??) in die Hände, das ich fürs Foto über den Kopf halten wollte, was aber nicht ging, da meine Arme so stark zitterten. Erst nach einem Liter Wasser war wieder genug Kraft da, um mir das ganze über den Kopf zu schütten :-)
Und dann die Siegerehrung und mein Slot für Australien!! Ein Traum ging in Erfüllung.
 
Und dafür, dass mir die Worte fehlten, war das jetzt ein sehr ausführlicher Bericht. :-)
 
Übers Essen und Trinken darf ich hier gar nicht schreiben... Gott sei Dank war es kein voller Ironman, sonst hätte ich ein Problem bekommen, grins,...nur eine Flasche am Rad ist bissi wenig, aber es war mit bewusst, dass ich hier pokerte, ich wollte lieber mit einem nicht-gluckernden Bauch laufen und auf der Laufstrecke mehr trinken, wenn es sein musste. Vor dem Rennen war ich wie immer mit viel Hirsebrei mit Datteln und Bananen, Unmengen an Mandelmus und Sonnenblumenkernen, selbst gebackenem Kuchen und Müslikraftschnitten, selbst gemachtem Johannisbeersaft, gutem Brot und Schinken aus dem Bioladen, Eiern (am liebsten sind mir die von Martin Tragler, bei Wettkämpfen in und um Österreich nehme ich mir die immer mit), Gula Java Kakao usw usw unterwegs.
Ich dope mich übrigens seit einiger Zeit mit Quellwasser vom Kremsursprung, mit dem ich auch meine Flaschen für den Wettkampf ausffülle, kann ich schwer weiter empfehlen!
 
Zum Saisonabschluss steht noch Ironman Mallorca in drei Wochen am Programm, das letzte Rennen dieses Jahr und vor der ganz wichtigen Jahrespause.