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Die Stimme des Herzens... oder FLIEGEN...

Veröffentlicht am 09.10.2018

Bericht von der Duathlon Langdistanz WM in Zofingen starten - wobei ich lange Zeit gar nicht gecheckt hatte, dass das eine WM ist, die Strecke hat mich gereizt...

Diese Saison ist für mich sooo viel mehr als Training, Bewerbe und erfreuliche Ergebnisse. Jeder Bewerb hatte für mich, zT schon in der Vorbereitungsphase, besondere Aufgaben parat, deren Bewältigung für mich manchmal viel mehr im Vordergrund standen als das körperliche Meistern der Strecke. Zum Beispiel das Schwimmen in der Mur, das mich bereits ein halbes Jahr vor dem Austria Extreme schwer beschäftigt hat und wovor ich wirklich Angst hatte. Schwimmen, Radfahren, Laufen kann ich trainieren, aber Ängste los werden ist ein anderes Kapitel. Vieles kann man nicht erzwingen, doch suche ich genau diese Dinge in Bewerben, die, die man nicht körperlich trainieren kann, wo eher los lassen und hinschauen angesagt ist. Wo man schon ganz viel in der Vorbereitung bewältigen kann….

 

Die innere Stimme wollte schon lange in Zofingen bei der Duathlon Langdistanz WM starten (wobei ich lange Zeit gar nicht gecheckt hatte, dass das eine WM ist, die Strecke hat mich gereizt), dieses Jahr sollte es endlich rein passen! Als zweites Highlight nach dem Austria Extreme und einer neuen Herausforderung im Training freute ich mich riesig drauf. Bisher stand ich bei einem kurzen Duathlon vor 2 Jahren am Start, sonst null Erfahrung auf dem Gebiet, da Laufen aber doch am Ende die Lieblingsdisziplin bleibt, dachte ich mir, das sollte mir liegen. Das Training blieb gleich, ich ging auch weiterhin Schwimmen, nur ein- bis zweimal pro Woche kam im August ein Duathlon-Koppeltraining rein, mehr Zeit war gar nicht und es reichte auch, da das Austria Extreme Training super dazu passte – Zofingen ist ja seeeehr hügelig, auch beim Laufen – nur am Speed durfte ich arbeiten, das machte mega Spaß!!

Die Zeit verflog mit einem herrlichen, superheißen Sommer und etlichen Hitze-Trainings, die mir sooo Spaß bereiteten, und schon fuhren wir nach Zofingen.

 

Ich kann hier jetzt Zahlen, Daten, Fakten des Bewerbes aufzählen, die Strecke beschreiben, den Verlauf des Bewerbes und das Ergebnis berichten… werde ich auch ;-) aber das, was ich mitgenommen habe, ist wieder einmal auf einer ganz anderen Ebene passiert, so intensiv wie nie zuvor, und ich versuche, auch dafür Worte zu finden.

 

Zahlen Daten Fakten und die Strecke:

Zofingen, ein kleines verschlafenes Örtchen mitten in der Schweiz. Zu bewältigen sind 10 km Laufen (offiziell 9,6, meine Uhr meinte noch etwas weniger) mit 2 steilen Anstiegen in den Wald, 150 km am Rad (bzw offiziell 146 und bei mir nochmal bissl weniger) mit knapp 1900 hm (auch hier waren es laut Garmin weniger, aber immer noch genug, hihi) und als Abschluss 30 km Laufen (wieder war es etwas weniger) mit knackigen Anstiegen rauf und runter in und durch den Wald, für mich eine Traumstrecke!! Genau das, was ich liebe und ständig trainiere, genauso sieht es vor meiner Haustür im Wienerwald aus!!

Am Start angenehme 51 age group Damen (also eine angenehme Zahl, das Verhalten ist nicht immer so angenehm, wenn es um irgendwelche Titel geht…) aus aller Herren Länder, nur eine weitere österreichische Dame, der Start erfolgte in kleinen Wellen, alles sehr unspektakulär, wie ich es ja liebe und suche.

 

Der Verlauf:

Startschuss und los geht’s… Moooment, ist das hier ein 5km-Rennen? Die Damen rennen los wie für einen Sprint, Vollgas in die Steigung hinein, keuchend, hustend, spuckend, ich musste fast schon lachen. Nein, das laufe ich so nicht mit, ich mache mein Tempo, ganz nach Körpergefühl, bissl Puls beobachten und die Beine „schonen“, es kommen ja noch gute 8h oder so auf uns zu!! In der zweiten Runde sah das ganze eh schon anders aus und im Endeffekt kamen wir in grob 2 Gruppen in die Wechselzone, beide Grüppchen innerhalb nicht sehr weit gestreut und dazwischen halt etwas Abstand. Ich konnte ungefähr abschätzen, wie viele Damen so vor mir waren und begann meine Jagd am Rad, allerdings einfach in meinem Watt-/Pulsbereich - und noch mehr nach Gefühl - fahrend, meinen „Flugzustand“ suchend, und, für die Unterhaltung, ab und zu nachzählend, wie viele ich denn jetzt schon eingeholt hatte und auf welcher Position ich ungefähr sein könnte.

Die Gegend war so schön und ich genoss die Anstiege, die mir zwar viel zu kurz waren, aber bergauf macht einfach immer Spaß :-). Da ich feststellte, dass einige gut bergauf fahren konnten, bergab und in der Ebene aber schwach waren, bemühte ich mich, gerade auch da Zeit gut zu machen und im Flachen bestimmte Watt zu halten. Man muss sich ja irgendwie beschäftigen bei längeren Distanzen ;-)

Die Runden flogen dahin, alles verging so schnell und ich fühlte mich durchgehend richtig gut. In Runde 3 war es dann schon sehr einsam auf der Strecke und teilweise schwierig, so ganz alleine unterwegs, meine Watt zu halten. Irgendwann erwischte ich mich beim dahin-träumen und stellte fest, dass ich ordentlich nachgelassen hatte, ohne es zu bemerken und va ohne Not! Ich kam dann nicht mehr so ganz in den Schwung von vorher, machte aber nichts, ich beschloss, mir die Kräfte für den zweiten Lauf aufzuheben. Vorm letzten „längeren“ Anstieg, ca 15 km vorm Ziel, überholte ich noch eine Schweizerin, die mir beim ersten Lauf schon irgendwie sympathisch war (eine der wenigen, die sich nicht komplett weg schoss) und erklärte ihr, sie solle dran bleiben an mir, wir machen das „gemeinsam“ jetzt, jeder in seiner AK und holen uns den Titel… Das sprudelte einfach so aus mir heraus, sie schaute mich groß an und wir grinsten, und – wer hätte es gedacht – es passierte dann tatsächlich so!! Wozu künstlich Konkurrenz schaffen, wo keine ist??! Wir blieben für den Rest des Rennens (Rad und Lauf, letzteres teilweise Schulter an Schulter) in Sichtweite (wir reden hier von vielen vielen Metern Abstand am Rad, Sichtweite eben, nicht dass hier jemand auf Windschatten-Gedanken kommt, um die gegenseitige Motivation ging es!!), ich kam ein wenig vor ihr in die Wechselzone, was sie mit einem schnellen Wechsel (nach wir vor meine größte Schwäche, es interessiert mich einfach nicht, mich da zu hetzen, sollte ich aber vielleicht einmal machen, weil genau die Minuten fehlen dann manchmal, hihi) gut machte und dann ein Lauftempo vorlegte, dass ich mir dachte – hoppala, das sollen wir 30km lang halten?? na gut, probieren wir es, immer für ein Experiment zu haben :-)  ..und dann ging es dahin.

Wir überholten gemeinsam noch ein paar age group Damen, dann landete ich durch die Steigungen im Wald eine Spur vor ihr, drehte mich immer wieder um und deutete ihr Daumen hoch und dran bleiben, sie deutete zurück, ich fühlte mich einfach top und konnte immer wieder Gas geben und das war halt einfach meine Strecke  - es machte sooo Spaß!! Die km verflogen und ich polterte ein letztes mal volle Kanne bergab ins Ziel, mit einer Laufzeit am zweiten Lauf, von der ich nie geträumt hätte… und als zweite age grouperin gesamt, 3 min hinter einer fliegenden Holländerin (ja, es wird Zeit - schneller wechseln lernen!!! bzw „wollen“ ;-))

Im Ziel beim stehen bleiben ein kurzer Krampf im Oberschenkel, upsi, das kannte ich so noch nicht, aber kein Problem – einfach im Kreis herum hupfen und das Bein schütteln und bloß nicht stehen bleiben uuuund – wo ist Essen und Trinken bitte?? Schnell!!!! :-)

Freude?? Ich kann's eigentlich so nicht nennen, totale Überwältigung… von und in allem...

Denn das Motto und die innere Stimme knappe 8 h lang waren einfach nur „Hör auf dein Herz, erfülle dir diesen Traum und hör dabei gut auf deinen Körper – was kann und möchte er geben? Lass einfach raus, was drinnen ist, lass es fließen…..“ Dieser Zustand war einfach ein Traum und hat sozusagen alles möglich gemacht...

 

Das Ergebnis:

Mit 7h 59 min Platz 1 in der AK, Platz 2 der age group Frauen gesamt und Platz 12 overall bei den Damen, wobei 15 Profis gestartet sind, 3 davon nicht ins Ziel gekommen.. Da das Rennen der Männer nach mir gestartet ist, hab ich davon irgendwie überhaupt nichts mitbekommen – außer 2 Grüppchen, die mich am Rad überholt haben...

 

Die andere Ebene:

Es geht nicht um Watt, Pace, Platzierungen, personal bests etc., das sind alles lustige Parameter, an denen man die körperliche Leistung ein bisschen messen und vergleichen kann und die als kleine Ziele und „Beschäftigung“ während Training und WK genommen werden können. Das macht Spaß und bringt Freude, wenn, wie wir so schön sagen, „was weiter geht“.

Aber das alles ist nicht der Grund und nicht die Triebfeder, warum ich Leistungssport mache.

Für mich geht hier „was ganz anderes weiter“ - Körper, Geist und Seele sind eine Einheit, da erzähle ich nix neues. Über den Körper kann sich unsere Seele, unser Innerstes, unsere Stimme des Herzens, ausdrücken, bei mir geschieht dies eben beim Sport – meine Möglichkeit, mein Innerstes raus- und zuzulassen, die Seele fliegen zu lassen, vor allem wenn alles im Einklang ist.

Jeder hat seine persönlichen „Flugplätze“ im Leben, sei es in der Arbeit, im Austausch mit den Liebsten, beim Kochen (auch ein kleiner Flugplatz für mich!), Malen, Singen, Tanzen oder eben beim Sport oder anderen Hobbies.

Diese Flugplätze sollten uns heilig sein, sie sind Seelen-Tankstellen und Möglichkeiten zum Selbstausdruck und geben uns Kraft für die auch manchmal weniger einfachen Herausforderungen des Lebens.

Für mich steht fest – ich suche keine (Haupt- … als Training kann das schon mal sein)Bewerbe, wo ich eine bestimmte Leistung „beweisen“ kann, ich suche Flugplätze :-) inklusive ihrer speziellen Herausforderungen….Es geht um den Zustand, in dem ALLES MÖGLICH wird :-)

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