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Dominique Binder beim Ironman in Cozumel, Mexiko am 30. November 2014

Ironman Cozumel, Mexiko

Veröffentlicht am 21.01.2015

Bericht vom Wettbewerb am 30. November 2014

Ironman Cozumel, 30.11.2014
 
Auf ins letzte Abenteuer dieses Jahr!! Komplett ausgeruht und erholt (und natürlich total durchtrainiert ;-) stehe ich am Start und freue mich auf den Tag. Die letzte Woche hier war so toll - herrliche Trainings in einer traumhaften Umgebung, was für ein Geschenk, hier sein zu dürfen!
Endlich einmal konnte Ironman sich zu einem Wellenstart durchringen, was für eine Freude, alle drei Minuten starten ein paar Altersklassen gleichzeitig. Zuerst die Profis, dann ein grösserer Abstand, und dann bin ich schon in der dritten Welle dran. Startschuss und Gas geben! Unglaublich, das ist das schönste Schwimmen, das ich je erlebt habe: fast die ganze Strecke geht in eine Richtung, alle 100m gibt es eine Boje (auch das hatte ich noch nie, was für ein Luxus!), man kann durchgehend den Boden sehen, Fische, Korallen.... und Taucher fotografieren uns von unten, das kann in Hawaii nicht schöner sein.
Schon nach ein paar Minuten beginne ich, Teilnehmer aus den vorderen Wellen zu überholen, was natürlich sehr motiviert, und es dauert lange, bis von hinten die schnellen Schwimmer kommen. Die Zeit vergeht so schnell, es ist einfach nur Genuss und so steige ich mit meiner absoluten Schwimm-Bestzeit von 1:04 ohne Neopren (das Salzwasser gibt aber eh schön Auftrieb) relativ "entspannt" aus dem Wasser, beim Schwimmausstieg ist ein Freigehege mit Delfinen - kann ich einen sehen? Nein, schade, aber ich hatte sie ja in der Früh beim Sachen-in-die-Wechselzone-bringen, da haben sie uns mit Sprüngen begrüsst.
Also, schnell den Speedsuit aus und ab aufs Rad. Der Tag beginnt vielversprechend, kaum Wolken und wenig Wind auf der Westseite der Insel, mal sehen, wie es im Osten wird, wo sich der anspruchsvollste Teil der Radstrecke befindet, und zwar 20 km direkt am Meer - mit Traumaussicht und leider auch starkem Wind, der manchmal mehr von der Seite, manchmal von schräg vorne (auf die variante haben alle gehofft) und manchmal direkt von vorne kommt. 3 Runden sind zu fahren, was 3x diese 20km bedeutet plus 3x 10km mit leichtem Gegenwind. Der Teil mit Rückenwind ist leider viel geschützter als die Ostseite, sodass man davon nicht annähern so profitieren kann, wie man im Osten "leidet"... aber kein Gejammer, ist ja ein Ironman und kein Ponyreiten!
 
Los geht es mit ca.38 km/h, ruhig bleiben, Kräfte gut einteilen, essen, trinken, kühlen. Dann der Richtungswechsel zur Ostseite, der Tacho fälllt, naja, leichter Gegenwind, heisst noch nix, abwarten, wie es drübern aussieht. Und - leider - Pech gehabt, direkter Gegenwind. Gut, auch kein Drama, das werde ich doch wohl schaffen, ich hatte doch meine besten Trainings bisher und fühle mich ausgeruht und fit wie noch nie bei einer Langdistanz. Zumindest merkt man die Hitze bei starkem Wind kaum ;-)
Die ersten zwei Runden gelingen mir noch mit einem Lächeln, auch wenn der Wind extrem an den Kräften zehrt und meine Beine schneller müde werden als erwartet, von der Durchschnittsgeschwindigkeit wollen wir gar nicht reden, aber das wird ja allen so gehen. Die dritte Runde ist dann nicht mehr so lustig, der zum Teil schlechte Asphalt macht mir ziemlich zu schaffen, Kopfweh, davon dann leichte Übelkeit, Mist. Und daneben der tolle Radstreifen, der fast um die ganze Insel führt und auf dem wir alle trainiert haben - mit viel besserem Boden!! Warum müssen wir nochmal auf der grossen Strasse fahren??
Aero-fahren wird zum Horror, ist aber unumgänglich bei der Strecke (alles flach und viel Wind), aber irgendwann geht es einfach nicht mehr, und die Beine waren irgendwie nur auf 5h30 am Rad in dieser Intensität eingestellt und können schlichtweg nicht mehr, noch mehr raus nehmen möchte ich nicht, das dauert ja eh schon ewig hier...
Nach 6h 15 steige ich heilfroh vom Rad - das Ding will ich jetzt echt mal ein paar Wochen nicht mehr sehen!! und oh..da hängen ja noch jede Menge Wechselsäcke an den Haken??!!- und gehe mit etwas zweigeteilten Gedanken in den Marathon. Schaffe ich das überhaupt noch? Ich glaube, es ist eine grosse Planänderung angesagt: finishen, Medaillie und T-Shirt holen, egal, wie lange es dauert. Aber eigentlich fühlen sich die Muskeln schnell wieder sehr gut an und es ist noch Kraft da, und gegessen habe ich auch genug.. also müsste es doch gehen, "normal" zu laufen?! Mental allerdings die totale Leere, da ist alles in der dritten Radrunde drauf gegangen.
 
Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, wie mindestens 5-5,5 Stunden, irgendwann wird es dunkel. Hitze, Sonne anfangs, der fürchterliche Geruch dieser Sonnencreme, die sie mir auf Rücken, Schultern und Arme geschmiert haben im Wechselzelt (wieder was dazu gelernt: so nett dieses Angebot ist, das nehme ich nicht mehr an, weil von diesem blumigen, ungewohnten Geruch wurde mir ordentlich schlecht), Trinken, Kühlen, Eiswürfel überall hinstecken, gehen, weil "es" nicht mehr geht, wieder laufen und sich fragen, was denn los war, ist doch alles in Ordnung, wenn man in seinem gewohnten, lockerem Tempo läuft, dann wieder Schmerzen in jeder Körperzelle, als hätte ich Fieber, 2x eine Art "Krampf" in der Lunge - keine Luft mehr.... uff, schon wieder ein Marathon, der alles andere als geplant abläuft..
Egal, alles, was zählt, ist das zuende zu bringen und wenn ich 14h brauche, ich will ins Ziel kommen und zwar ohne dort zusammen zu brechen.
Und mit unzähligen mentalen "Tricks" und etlichen Malen Tempo raus nehmen, gehen, trinken, kühlen, an etwas denken, das mir weiter hilft (ein extrem hartes Training, die Medaillie im Ziel, die mich immer an diese mentale Leistung erinnern wird, "alles ist möglich", "es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist...", an die wirklich stark übergewichtige junge Frau, die ich am Rad 2x überrundet habe - voller Bewunderung, wie sie sowas schaffen kann, und die hat sicher auch noch nicht aufgegeben...also bring das zuende!!) geht es Kilometer für Kilometer weiter.
 
Und tatsächlich: nach 11,5 Stunden überquere ich, nachdem mir am letzten Kilometer nur noch die Tränen vor Freude und Erleichterung hinunter liefen, die Ziellinie, das war es. Mein 7ter Ironman, ich habe es geschafft. 
Diese Distanz kann einem wirklich alles abverlangen, was man zu geben hat, auf allen Ebenen, auf denen man etwas zu geben hat...
Cola, Hühnersuppe und ein Eisbad, die Regeneration beginnt im Ziel. Und dann wird getanzt, das viele Koffein wirkt noch und ich bin so überglücklich, nicht aufgegeben zu haben :-)
 
Erst am nächsten Tag stelle ich fest, dass ich auf Platz 11 von 90 in meiner Klasse gelandet bin, wovon 23 gar kein Endergebnis haben. Das freut mich dann doch sehr, auch wenn ich wieder an meiner Marathonzeit knabbere, aber immerhin waren es doch nicht die 5 Stunden, nach denen es sich angefühlt hat.
Und... ich habe gegessen!!! Und zwar genug und genau richtig viel, um nicht komplett leer in den Lauf zu gehen, aber auch nicht mit vollem Bauch. Trotzdem ist das nach wie vor eine der grössten Herausforderungen für mich, bei höherer Intensität etwas hinunter zu bekommen...
Jetzt heisst es Jahrespause, mal 4 Wochen lang faul sein! Und die nächste Saison planen, da schwirren schon so viele Ideen im Kopf herum, wird schwierig, sich zu entscheiden.
Jedenfalls muss mehr Kraft in die Beine, die halten einfach noch nicht das durch, was mein Kopf gerne von ihnen hätte :-)
Und nächstes Jahr werde ich am Rad festgeschnallt, kein Erbarmen mehr, ...das Ziel: so "entspannt" vom Rad zu steigen, dass ich meine volle Laufleistung endlich bringen kann!
Während ich das hier schreibe, sitze ich mit vielen Umdrehungen und wenig Widerstand am Rad, um den Muskelkater los zu werden, den ich seit dem "Probetraining" vorgestern habe, wo mein Trainer und ich eigentlich nur die Kraftübungen fürs bevorstehende Trainingslager durchgegangen sind und ausprobiert haben, nach einer lockeren Schwimmstunde... :-))