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Kalser Tauern ... oder: Der schönste Lauf aller Zeiten

Veröffentlicht am 10.08.2018

Ein Bewerb pro Monat, mein Credo,…. Was machen wir also im Juli?? Mal kurz übers Glocknermassiv laufen, das kann nur schön sein und ist ein guter Grund, mal wieder eine meiner Lieblingsgegenden rund um Zell am See zu besuchen. Spezifisches Training dafür? Keine Zeit, bin mit Triathlon-Training beschäftigt und hm sammel ich sowieso genug, Gelände laufe ich auch viel, die 50 (bzw. waren es dann 51) km mit 2000 hm up und (leider leider...)2700 hm down müssen spontan gehen, Fitness ist ja voll da…. Am Berg war ich halt seit einem ¾ Jahr nicht mehr, aber daran dachte ich anfangs gar nicht, erst als ich im felsigen Gelände etwas „patschat“ herum stolperte :-)

Meinem Neffen aus Amerika schenkte ich zum 18. Geburtstag den 30 km-Lauf (es gab an diesem Wochenende gleich 5 verschiedene Bewerbe, u.a auch einen 100km Lauf …) vom Weissensee weg, so standen wir beide, zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten, am Start, um uns im Ziel wieder zu treffen. Ihm habe ich auch die tollen Fotos zu verdanken, ich selber wäre nicht dazu gekommen, war schwer mit der Strecke und 100%iger Konzentration beschäftigt!!

 

Um 4:30 ging der Bus von Kaprun zum Start nach Kals in Osttirol, wo um 7:00 der Startschuss erfolgte. Und es war einfach nur ein Traum! Jeder Meter dieser Strecke ist einzigartig schön, eigentlich ist es ja eine Schande, da so einfach durchzulaufen, ohne ständig stehen zu bleiben, die gute Luft bewusst einzuatmen, die Natur in sich aufzusaugen und 1000e Fotos zu machen!!

Ich hatte mir fest vorgenommen, zumindest ab und zu links und rechts zu schauen und nicht nur stur zu laufen mit Blick auf den Boden, wie es halt beim Trailrunning nötig ist, um nicht auf der ... zu landen. Und das tat ich auch und genoss es in vollen Zügen!

Läuferisch gingen die ersten 10 km super dahin, die Beine hatten zwar aus irgendeinem Grund nicht den besten Tag, aber das ist einfach manchmal so und dann nimmt man es, wie es ist und macht das beste draus. Dann ging es mehr und mehr ins steinige Gelände, Richtung Seehöhe 2500, und da ging meine Stolperpartie los. Hui, das war mir fast unangenehm, wie unbeholfen ich da plötzlich unterwegs war, und dementsprechend überholten mich auch nach und nach viel zu viele Läufer!!

Noch dazu war ich erstmals mit Stecken unterwegs, die ich im Training genau 3x ausprobieren konnte, hatte sie gerade erst bekommen, ich sah das einfach als Experiment, mal testen, wie das damit ist bei einem längeren Trail :-) Na, ich war vielleicht überfordert!! Und mit der Zeit auch etwas frustriert, normalerweise ist bergauf laufen meine Stärke und da werde ich eigentlich selten überholt. Dann fiel mir ein, dass ich ja wirklich ewig nicht am Berg war, seit meinem Schneeberg-Trailrun-Debut nicht mehr, kein einziges Mal! Da wunderte mich jetzt nichts mehr, ich überlegte nur, wie ich weitermachen sollte und kam ziemlich schnell zum Entschluss, dass ich das einfach HIER UND JETZT lernen musste und fertig!! Ich konzentrierte mich voll und ganz auf jeden Schritt und Stockeinsatz, versuchte nicht zu verzweifeln, sondern an mich zu glauben, und kam doch wirklich nach und nach in den Flow…

Ja, es ist möglich, auch oder gerade während eines Wettkampfes sich Dinge zu erarbeiten!! Als es Richtung Rudolfshütte zur ersten großen Labe einige hm bergab ging, war ich schon ganz gut drinnen, noch immer holprig, aber es wurde eindeutig von km zu km besser. Die Stecken hielt ich da schon mehr in einer Hand als sie aktiv zu verwenden und so beschloss ich bald danach, am zweiten längeren Aufstieg auf 2600m rauf, sie weg zu stecken – gute Entscheidung, das brachte mich noch mehr in meinen Flow zurück und ich konnte nach und nach viele Mitläufer zurück überholen.

Dann ging es über große Schneefelder bergab, meine erste Erfahrung mit solchem Terrain!! Hier waren die Stecken Gold wert, das war sooo lustig!!

 

Nach 30 km hatte ich mich auf Platz 3 vor-gekämpft und den wollte ich dann nicht mehr hergeben. Normalerweise ist mein Motto ja, einfach mein eigenes Ding zu machen und wenn es passt, passt's und dann ergibt sich die Platzierung von alleine, man kann da sowieso wenig erzwingen, zumindest nicht, ohne seinem Körper zu schaden. Doch da ging jetzt einmal der Ehrgeiz mit mir durch und ich wollte das unbedingt halten. (Insgeheim war ja der Wunsch vorhanden, die Top 5 zu schaffen, da bei allen Läufen nur die schnellsten 5 Frauen und Männer „geehrt“ wurden, es gab keine Klassen, aber eben nur, wenn es passt..)

Noch dazu hatte ich gerade so einen guten Schwung, also ließ ich es richtig laufen und gab Gas. Es war so wunderschön, die Kapruner Stauseen, Blumenwiesen, dann Wald und noch ein Stausee in türkisblau, unfassbar…

Doch all dieser Zauber konnte irgendwann nicht mehr von den wehen Beinen ablenken, das wurde immer schlimmer und erinnerte mich nach und nach gewaltig an einen Ironman, Hilfe, so war das nicht geplant!! So viel bergab laufen geht einfach richtig auf die Oberschenkel, aber wie, es fühlte sich echt nach den letzten 7 km eines Ironman an – allerdings eines nicht optimal laufenden Ironmans und noch dazu lagen noch 16 km vor mir!! Puhhh, aber da musste ich jetzt durch und es war ja nur die Muskulatur, sonst tat nichts weh. Also weg beamen und das ganze als Schmerztraining sehen!

 

Und so ging es, nach unten ins Tal hin immer heißer uns heißer werdend (aber das war auch schon egal, Hauptsache, die Beine dürfen so schnell wie möglich in den eiskalten Fluss!!), nach 6 h 45 min über die Ziellinie, den Tränen nahe vor Berührt-sein über dieses gewaltige Erlebnis in jeder Hinsicht… In mir drinnen hat sich da einiges getan und das wird wohl für immer bleiben :-)

Von der Kraft der Natur, die dort zu spüren war, ganz zu schweigen...

 

Der Kommentar meiner Schwester im Ziel: Du bist dritte? Woooowwwww… aber Du siehst miserabel aus …..  naja, war bissal dehydriert nach fast 7 h laufen hihi ;-))

 

6h 45, Hilfe, so lange wollte ich eigentlich nicht brauchen!! Aber bei Trailruns ist das wirklich sehr schwer abzuschätzen, wenn man das Gelände nicht kennt und ja vorher nicht weiß, wie viel man wirklich laufen kann und wie viel gekraxelt werden muss.

Die beiden Damen vor mir waren zwei höchst professionelle Bergläuferinnen, die Siegerin aus Ungarn, die mit 5h 35 den Streckenrekord aufstellte und auf Platz 2 Veronika Limberger aus dem österreichischen Trailrun-Nationalteam. Da freute ich mich als Triathletin unter den Trailrunnern nochmal doppelt übers Stockerl!

Die Siegerehrung wurde wegen des Regens vom Zelt in eine Bar verlegt, das sagte uns nur keiner, dadurch habe ich sie verpasst, da war ich aber nicht die einzige. Trotzdem gab es noch die überaus originelle und nette Medaille in Form eines Kettenanhängers an einem Lederband und eine super Sportbrille als Preis im Nachhinein.

 

Was für ein wunderbares Erlebnis, unbezahlbar!! Jederzeit wieder :-)

Der Muskelkater in den Oberschenkeln konnte sich zwar sehen lassen, aber nach ein paar Tagen war auch das vorbei und sonst hat der Lauf keine Spuren hinterlassen, weder Blasen noch wehe Gelenke oder Müdigkeit, bin bereits wieder im Training :-))

Nächste Station: Zofingen, die Powerman Duathlon Langdistanz WM Anfang September … noch habe ich null Erfahrung mit Duathlon, aber ich bin ja immer offen für Experimente!!

 

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