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Socialman 2017

Veröffentlicht am 20.07.2017

> > Ja.. Wo fange ich nur an? Dieses Erlebnis in Worte fassen,geht das überhaupt? Ein Meer an Emotionen, Glück und Freude pur, trotzdem eine ganz spezielle Härte,... Die schönste Kulisse, die man sich für einen Bewerb vorstellen kann, ganz besondere menschliche Begegnungen, endlich ein faires Rennen... Okay, ich versuch es einfach chronologisch, vom Anfang bis zum Ende :-)

> > 5km im klaren Wasser des Grundlsees schwimmen, ohne Bojen, einfach von einem Ende zum anderen, 185km mit 3100hm am Rad, vom Grundlsee nach Bad Ischl, über die Postalm nach Abtenau und ins Lammertal, weiter nach Bischofshofen, über den Dientner Sattel und Embach bis nach Rauris, und von dort 25 km mit 1800 hm aufs Hochtor laufen, das Ganze mit Begleitfahrzeug und Laufsupporter, das ist der Socialman. Also eigentlich ein laaanger Trainingstag mit fahrendem Buffet dabei :-)

> > Nach wirklich ausführlichen Vorbereitungen und vielen langen harten Trainings freute ich mich schon auf diesen Tag, auch wenn ich natürlich mit großem Respekt am Start stand und, genauso wie alle anderen, nicht wissen konnte, ob ich heute überhaupt am Hochtor oben ankommen würde.

> > In der Nacht noch Gewitter, fast nichts geschlafen (aber das ist egal, das macht man in der Woche davor..), die Straßen waren nass, die Wolken hingen noch tief überm See, richtig romantisch, allerdings um 4:30 auch noch etwas dunkel.... Und wir Verrückten stürzen uns jetzt in der Finsternis in den schwarzen See hier?!
Naja, beim Startschuss um 5:00 war es dann eh schon relativ hell und das klare Wasser war für mich richtig einladend, die Stimmung fantastisch, fast ein bisschen mystisch. Und die wichtigsten Menschen standen hinter mir am Ufer und würden mich den ganzen Tag begleiten, was für ein Gefühl!! Nur 30 Einzelstarter und 20 Staffeln auf der Strecke, es erwartete mich endlich ein faires Rennen!! Und trotzdem das Gefühl der absoluten Sicherheit, weil man eben die eigene fahrende Labestation sowie Mechaniker, Bike-Service, Ersatzteile und in meinem Fall auch das eigene Stimmungsnest selber mit bringt! Wie können die Voraussetzungen für ein tolles Rennen, in dem man in Ruhe seine eigene Leistung bringen kann, besser sein?
Vielleicht war ich deshalb so entspannt und startete mit einem Lächeln los in den erfrischenden See. (20 Grad, das gab es wohl im Grundlsee noch nie!) und ich sollte dieses Lächeln den ganzen Tag lang behalten... Okay, beim Laufen hat es sich schon mal verabschiedet, aber für 1-2 von knapp 13 Stunden ist das okay ;-)

Das schwimmen war so so wunderschön, einfach unbeschreiblich, ich genoss jeden Zug, teilte mir meine Kräfte gut ein, nahm es locker, aber tümpelte auch nicht dahin. Teilweise hatte ich Begleitung, teilweise war ich ganz allein, ich blieb jedenfalls immer meinem Gefühl treu und folgte meiner eigenen Linie durch den See. Und so stieg ich nach 1h 21 als erste Frau (und 3 min hinter dem späteren Gesamtsieger!!) entspannt und glücklich aus dem Wasser, was für ein Erlebnis!! Allein das war schon alles wert...
Gerechnet hatte ich ja mit bisschen unter 1h 30, also das fing ja mehr als gut an!

> > Meine drei Begleitengel machten schon ordentlich Stimmung in der wechselzone, also mit voller Energie ab aufs Rad auf die noch nassen Straßen.
Ich kannte die Strecke wirklich gut, war mehrmals auf den Anstiegen trainieren, alles mehrmals abgefahren und studiert, daher wusste ich, wie ich mir alles einteilen würde, wann ungefähr ich welche Verpflegung brauchte etc.naja, ungefähr... Dass ich mit solchen Watt dahin donnern würde und einen für mich verhältnismäßig hohen Puls sooo lange aushalten konnte, das wusste ich nicht...damit hatte ich absolut nicht gerechnet, aber wieder vertraute ich meinem Gefühl, das sagte - das geht, heute ist dein Tag, das hältst du so durch! Und wenn nicht, kann auch nix passieren, dann nimmst raus, isst, trinkst und machst lockerer weiter. Aber es wird schon gehen, probier's, Gefühl hat Vorrang vor Zahlen! :-)

> > Und so saß ich statt geplanter 8h ...7h 19 am Rad, reine Fahrzeit, dazu kommen kleine Pausen bei roten Ampeln, einem Bahnübergang, zum auftanken und ausleeren ;-), und in der offiziellen Liste sind anscheinend noch die Wechselzeiten bei der Radzeit dabei. Es war einfach ein Traum. Natürlich gab es Hochs und Tiefs, aber letztere hielten sich am Rad völlig in Grenzen und waren jedesmal mit Nahrungsaufnahme zu lösen :-)
Und mir wird heute noch gesagt, dass ich 185km lang gelächelt habe.... Ja, war ja auch sowas von schön!!

> > Mit ca.15 min Vorsprung vor der zweiten Dame (einer Schweizerin, der ich aus diversen Gründen von vornherein den Sieg zuschrieb) ging es in die Wechselzone, ein bisschen ungläubig, was bisher passiert ist und wie gut es mir ging. Okay, der Regenguss am Dientner Sattel war echt ungut und hat viel Kraft gekostet, mir war bergab innerhalb von Minuten so kalt, dass ich echt Angst hatte, wie das weitergehen würde, dann meldete sich noch ein Krampf im Oberschenkel, der Kopf begann richtig Stress zu machen, das könnte das Ende sein.... Aber mit Schokolade und flüssigen Elektrolyten ließ sich alles schnell wieder ins lot bringen, und in Rauris warteten schon wieder Sonne und Hitze auf uns. Hoffentlich hat mich das jetzt nicht zu viel gekostet?! Hoffentlich reichen die Kräfte jetzt noch für die Laufstrecke und hoffentlich darf ich ganz rauf laufen!! Das weiß man bei diesem Bewerb ja bis zuletzt nicht, dreht das Wetter, muss man auf der Laufstrecke umdrehen und wieder runter laufen.
Aber noch war die Ampel auf Grün, wir durften rauf!! Wahnsinn, ein Traum kann jetzt in Erfüllung gehen!

> > Stefan, mein Schwimmtrainer, wartete schon in voller Ausrüstung, um mich zu begleiten. Ja... Ich hab 2 der besten Bergläufer Österreichs als Trainer und frage den Schwimmer, ob er mich beim Socialman-Berglauf begleitet !! :-) wir sind einfach so gute Freunde geworden, er liebt die Berge und wir hatten die Strecke auch einmal gemeinsam trainiert....
Also, auf geht's! Eine wunderschöne Strecke erwartete mich, die schönste aller Strecken überhaupt!!
Und daran musste ich mich auch festhalten, denn es wurde noch richtig hart. Die ersten 10 km mit nur 300 hm im ganz lockeren Jogger-Tempo bis zur Fleckweide, dort noch einmal ein paar Schluck kaltes Cola und das vergessene Handy einstecken, hui, daran hat in der Wechselzone keiner mehr gedacht!! Die Stimmung der Supporter, die wie verrückt anfeuern, noch einmal aufsaugen und dann volle Konzentration, Schritt für Schritt in der Hitze bergauf von einer Alm zur nächsten hanteln, oder eher von einem kalten Trinkbrunnen zum nächsten. So wenig wie möglich gehen, denn das wird oben eh sein müssen, also so lange wie möglich den Laufschritt durchhalten!
Und dann wurde es richtig HART, bumm, uff.... der Kopf fragte sich, ob das jetzt gleich/weniger hart oder härter war als ein Ironman-Marathon, hm... es fühlte sich genau so an, die Müdigkeit, die Schwere des Körpers, nicht mehr wissen, wie man sich noch verpflegen kann, weil der Magen nichts mehr will, nicht wissen, ob sich das noch ausgeht bis ins Ziel... egal, das kann ich mir auch später überlegen, jetzt mal volle Konzentration auf jeden Schritt! Aber die Beine waren noch gut, da gab es nichts zu meckern, die machten einfach brav, was sie trainiert hatten. Also zusammen reißen und einmal bis zur vierten Alm durchhalten, dort kann man dann ja weiterdenken und -sehen. 

> Ab dieser vierten Alm beginnt der Traum ja erst so richtig, denn die Strecke verläuft an Wasserfällen entlang, über Blumen-besetzte Almen, an Kühen vorbei...auf ein Plateau, von dem aus man schon die Großglockner Hochalpenstraße sehen kann, dort ist dann ungefähr die 2000m Grenze und die Luft wird etwas dünner, weiter über geröllige Anstiege hinauf zum Hochtor. Leider erwartete uns erst noch ein Regenguss, begleitet von sehr dunklen Wolken rundherum, die uns ein bisschen Angst machten, denn ab jetzt war man komplett ausgesetzt, keine Hütte mehr, nichts zum unterstellen, also bei Gewitter ziemlich riskant. Aber es ging weiter, Regenjacke an und weiter laufen und -wandern, nicht nachdenken, das zieht schon vorbei.
Tat es auch, die Sonne kam am Plateau wieder raus!! Und dort begann ich dann richtig zu "fliegen", von der Schönheit der Natur getragen und beflügelt, war mir jetzt alles egal. Ich drehte mich um, weit und breit niemand zu sehen außer den beiden Staffel - Läufern, die ich überholt hatte, und Stefan, den ich nach und nach abhängte, nicht beabsichtigt...keine Schweizerin, keine andere Frau... Mir kamen die Tränen...das war mein Rennen, der Sieg gehörte mir, einfach weiter gehen, den Puls beobachten, noch was trinken, in 40 min ca würde ich im Ziel sein...
Auf dem letzten km überholte ich noch einen Einzelstarter, der schon ziemlich bedient war, und dann zwei Staffel-Läuferinnen, die mich noch anfeuerten und mir ihre Stöcke anboten.
Und dann war es soweit - ich kam auf die Straße, wo direkt vorm Hochtor-Tunnel einige Leute standen und Stimmung machten, wow....nur noch die paar letzten Meter rauf zum kleinen Gipfel über dem Tunnel, einmal noch kaltes Wasser ins Gesicht, und dann die letzte Steigung gemeinsam mit meinem Schatz, der mich den ganzen Tag lang so liebevoll und perfekt betreut hat und jetzt noch den Sack mit frischem Gewand fürs Ziel mit trug und mir von allen möglichen Leuten schon Glückwünsche aussprach.
Ich kann gar nicht sagen, was ich alles empfunden habe, als ich dort oben ankam. Es war unglaublich, mir liefen die Tränen übers Gesicht, als mich der Veranstalter umarmte und gar nicht mehr los ließ, gefühlt wurde von allen Seiten fotografiert, eigentlich wollte ich mich nur hinsetzen und was trinken, aber irgendwie auch nicht, alles war einfach nur WOW..... Und dieses WOW hält bis heute an, wurde noch verstärkt, als ich erfuhr, dass ich mit 12h 53(gerechnet hatte ich mit um die 14!!)insgesamt von 4 Damen und 26 Männern als 5te ins Ziel kam!!!und noch schneller als etliche Staffeln war, so ganz kann ich das alles noch nicht glauben...
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Jetzt heißt es erholen und neue Ziele stecken, leider wird es diese Veranstaltung so nicht mehr geben 2018, sehr sehr schade....aber in meinem Kopf brodeln schon viele neue verrückte Ideen :-)
Das wichtigste ist jedoch, einmal gaaanz groß DANKE zu sagen, denn ich habe diese Leistung nicht allein gebracht, hätte sie niemals so bringen können.....
DANKE an mein Betreuer-Team, ohne Euch wäre das niemals möglich gewesen, ihr wart der pure Wahnsinn!!! Und ich möchte jetzt auch einmal ganz groß Danke an meinen Trainer, Alex Krenn,  sagen, der mich jetzt die zweite Saison begleitet, mich optimal auf diese Herausforderung vorbereitet hat, immer zuhört und auf jedes Feedback eingeht, nie versucht hat, mich so zu formen, wie er es sich vorstellt, sondern jeden Wunsch und mein (Körper-)Gefühl unterstützt, und mich bisher gesund und verletzungsfrei durch die Saison bringt - ich liebe unsere Zusammenarbeit. 
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> Und DANKE an die Socialman Crew für diese einzigartige, wundervolle Veranstaltung!!
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