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Schon zum 2.Mal…ein volles Glas an Münzen aus dem Bauernladen zur ZählungSchon zum 2.Mal…ein volles Glas an Münzen aus dem Bauernladen zur Zählung

Nahrungsmittel am Markt besorgen mit den SpendengeldernNahrungsmittel am Markt besorgen mit den Spendengeldern

Getreide, Öl, Salz, Zwiebel etc. besorgen auf regionalen MärktenGetreide, Öl, Salz, Zwiebel etc. besorgen auf regionalen Märkten

Gerechte Verteilung im Dorf, sehr zur Freude der KinderGerechte Verteilung im Dorf, sehr zur Freude der Kinder

Freude und Feiern bis in die NachtFreude und Feiern bis in die Nacht

Unbeschreibliche Wiedersehensszenen , die Frauen “zerbrechlich” dünnUnbeschreibliche Wiedersehensszenen , die Frauen “zerbrechlich” dünn

Veronika Kunze in ihrem Element mit den KindernVeronika Kunze in ihrem Element mit den Kindern

ROOTS-Frauenprojekt zum Erhalt der Familien und Förderung lokaler KulturROOTS-Frauenprojekt zum Erhalt der Familien und Förderung lokaler Kultur

Frauen in JUBA beim gemeinsamen Produzieren von Schmuck und KleidungFrauen in JUBA beim gemeinsamen Produzieren von Schmuck und Kleidung

Reisebericht MiakWadang Südsudan - 20.3. - 5.4.2016 von Dr. Herbert Bronnenmayer

Veröffentlicht am 19.04.2016

Flug Wien Kairo, overnight LePassage, Flug Kairo-Juba. Diesmal keine Visaprobleme, freundliche Beamte. Transfer Haus der Ruuns in Nyakuron West, nahe dem Jebel Kojur

Mary ist in Paloich, wartet auf uns dort. Äußerst schwierig einen Platz auf der NOVA-Maschine von PetroDar zu bekommen, da 300 Leute teilweise am Flughafen übernachten, um einen Platz zu ergattern.

Erste Eindrücke: Katastrophale wirtschaftliche Situation. Euro wird offiziell mit 4.- SSP gehandelt, am Schwarzmarkt mit 40.- SSP. Somit kann der Handel kaum mehr Waren aus dem Ausland beziehen. Eine Flasche Wasser, die früher 1.- SSP kostete wird jetzt mit bis zu 15.- SSP gehandelt. 1 Sack Hirse war früher mit 80.- SSP teuer, kostet jetzt 800.- bis 1000.- SSP und das bei gleichbleibenden Gehältern, die routinemäßig schon verspätet ausgezahlt werden. Die Not hat inzwischen auch schon gehobene Gesellschaftsschichten erreicht, ein Beamter im Aussenministerium kann seiner Familie nur mehr eine Mahlzeit pro Tag zur Verfügung stellen. Story eines Polizisten: Tätigte einen Monatseinkauf für seine Familie, ließ die Waren abtransportieren, konnte mit seinem Monatsgehalt nur ein Fünftel der Rechnung bezahlen und ließ sich freiwillig festnehmen. “Kann meine Kinder nicht verhungern lassen und gehe lieber dafür ins Gefängnis”

Treibstoffknappheit, Schwarzmarkt zu Wucherpreisen, Berichte von horrender Korruption, beginnende Aufarbeitung mit ersten Verhaftungen und Entlassungen.

Besuch beim Ölminister Stephen Dhieu: Stephen kennt mich aus der Zeit in Melut mit medizinischer Betreuung und seiner Mitgliedschaft in der Kirchenjugend. War sehr interessiert an den Satellitendokumenten über Aquifere in unserem Projektgebiet und am Bau von Brunnen um der Bevölkerung den Hirseanbau zu erleichtern. Edith Rogenhofer und Prof.Silke Hilberg von der Uni Salzburg helfen MiakWadang mit Satellitenkarten und Beratungen, wo Brunnenbohrungen erfolgreich sein können. Kritisch ist der Anfall von Chemikalien bei den Ölbohrungen, die von den Chinesen einfach an der Oberfläche in Auffangbecken geschüttet werden, die sich aber besonders in der Regenzeit in die Landschaft ergießen und zum Verenden von Tieren, Fehlgeburten und Krankheiten bei den Menschen führen. Dabei besteht die Gefahr des Versickerns und die Kontamination des Grundwassers. Neuerdings wird die Ölbohrfirma angehalten diese Abwässer in den Boden zurückzupumpen. Der Aquifer enthält bestes Wasser aus dem äthiopischen Hochland und wir könnten mehrere Brunnen in mit nur 10 bis 15 Meter Tiefe erstellen. Die bisherigen tiefen Bohrungen nach Trinkwasser anderer NGO’s haben salziges Wasser aus tieferen Schichten gefördert, wie wir in Niayok feststellen konnten und das für menschlichen und tierischen Gebrauch nicht nutzbar ist.

 

Flug Juba-Paloich problemlos. Zu unserer Überraschung war von Haruun ein Zimmer im Petrodar-Guesthouse vorbestellt und wir konnten auch Plätze für den Rückflug reservieren. Mary hat eine sehr einfache “Rakuba”auf dem Grundstück ihrer Mutter gebaut, umgeben von Hütten weiterer Verwandter, also halbwegs sicher. Dort sahen wir die bewährte Helferin Nyanaway wieder.

Nach einem Lebensmittel-Einkauf im Markt von Paloich ging die Reise auf ganz passabler Strassen ach KhorAdar. Dort gab es Wiedersehen mit mehreren Familien und berührende Szenen mit den Frauen und Kindern und Veronika. Auch dort hat Mary eine Grashütte als Büro für MiakWadang und als Verteilungszentrum gebaut.

Weiterfahrt nach Niayok. Das Dorf ist ziemlich zerstört, aber die halbe Dorfbevölkerung wieder zurückgekehrt. Die andere Hälfte ist wegen der Schule der Kinder in Paloich geblieben, was die Dringlichkeit eines Schulbaus in Niayok sichtbar macht. Es ist nicht die Angst vor weiteren Rebellenüberfällen, wie ursprünglich angenommen, die Familien von der Rückkehr ins Dorf abhält.

Um Niayok herum hat ein Geschäftsmann viele Bäume fällen lassen zur Holzkohlenproduktion, was die Umweltproblematik noch akuter aussehen läßt und wir die Einführung von Solaröfen überlegen müssen sowie die Wiederaufforstung.

Der MiakWadang-Compound ist wiederhergestellt und eingezäunt, die Wellblechhütte der Getreidemühle steht noch und wird für Getreidelagerung genützt. Derzeit hat Mary ca. 90 Säcke Getreide auf Lager und ist daran weiteres Getreide lokal anzukaufen.

Man sieht, dass die Bevölkerung hungert, aber keine Katastrophenbilder. Wir können sehr dankbar sein, dass wir Menschen für die MiakWadang die Verantwortung übernommen hat, mit Lebensmitteln über Wasser halten können.

Nach einer Nacht unter freiem Himmel gab e seine Dorfversammlung mit sehr gutem Einverständnis. Beschlossen wurde die Wiedererrichtung der Schule, Einsatz der 3 jungen Männer mit Matura als vorläufige Lehrkräfte. Material für die Schule wird von MiakWadang finanziert, die Arbeit vom Dorf geleistet. Es gab klare Richtlinien: Wer beim Bau der Schule hilft kann Kinder umsonst  zur Schule schicken. Jeder andere muß zukünftig Schulgeld zahlen. Wer sich beim Wiederaufbau des Dorfes engagiert bekommt die Chance auf ein Stipendium an einer Bildungseinrichtung im SüdSudan, Uganda, Kenia oder Tansania. Schon einen Tag nach unserer Abreise hörten wir von den begonnenen Aktivitäten im Dorf.

Auf der Rückfahrt über KhorAdar kamen wir zum Ostergottesdienst der SIC-Kirch zurecht und konnten ein Grußwort bringen.

Bei der Ankunft in Paloich erlebten wir, dass der Ölminister Stephen Dhieu angekommen war mit großem Gefolge und großer Präsenz aller Stammeshäuptlinge und Regierungsbeamten inklusive dem neuen Governor des neuen EastNileState und dem neuen Commissioner von Melut. Viel erkannten mich wieder, es war eine bewegende Zeit so viele zu treffen denen ich im Vorgängerprojekt helfen konnte und einige KalaAzar-Patienten dem Tod von der Schaufel nehmen konnte. So gab es enorme Hifsbereitschaft und Interesse an den derzeitigen Aktivitäten von MiakWadang. Mary und ihr Einsatz mit MiakWadang hat enorme Publizität und wir können zukünftig gute Kooperation mit verschiedenen Stellen erwarten.

 

 

Große Hifezusagen kamen auch von den Büroleitern des Ölministers und des Governors in Malakal.

Stephen hat uns dann eingeladen mit ihm nach Juba zurückzufliegen. Waren noch nie so gut bewacht in einem Flugzeug mit 20 Soldaten, Polizisten, Bodyguards. Beim Warten auf den Flug landeten 2 Kampfhelikopter vollbestückt mit Raketen, eine Erinnerung, dass der Norden gerade Flüchtlingslager an der Grenze beschossen hatte und die Grenze abgeriegelt hat. Kein Treibstoff mehr in Renk, was die Schwarzmarktpreise für Diesel in Paloich weiter in die Höhe trieb.

In Juba gab es dann Wiedersehen mit Yango und Freude daran wie gut sich der Junge entwickelt. Fließend Englisch, Kisuaheli, Arabisch, Dinka, von 24 Kenianern mit ihm in der Klasse ist er an 7.Stelle im Lernerfolg. Eine Freude auch sein Sozialverhalten zu beobachten.

Die Zeit bis zum Abflug war gut genützt für Gespräche mit Haruun über sein Buch, Projekt Jaiy, das Fest zu Ehren des Vaters und Großvaters, Filmprojekt und Information aus Regierungskreisen über die gegenwärtige Situation. Er und Stephen Dhieu wollen sich künftig mehr in der Region Melut einbringen.

Zahlreiche Besuche im Haus Ruun gab weitere Gelegenheit zu zukunftsorientierten Gesprächen.

Wir besuchten eine Baumschule der Regierung am Nil. Plötzlich tauchte mit einem Höllenlärm über den Baumwipfeln ein Cargoflugzeug auf, das sich offensichtlich sehr schwer tat an Höhe zu gewinnen. Die tragische Erlebniskombination war, dass genau am anderen Ufer des Nils die abgestürzte Maschine lag, in der Mary hätte sein können und wie durch ein Wunder am Einsteigen gehindert wurde.

Haruun wird 77 , Mary nächstes Jahr 60, wir haben auch Übergabe an nächste Generation besprochen.

Im Dorf hat sie schon 2-3 verläßliche Helfer, in Juba wird für 10 Wochenstunden ein Assistent gesucht. Für beide werde ich die Möglichkeit einer Krankenversicherung eruieren, da sie beide nicht versichert sind. Mary wird in den letzten beiden Juniwochen in Neapel sein auf Einladung ihres Sohnes Ty, der mit Davina sein zweites Kind erwartet. Anschließend kann sie zu medizinischem Checkup nach Österreich kommen, sie hat starke Schmerzen im Hüftbereich. Haruun sollte auch einen Checkup absolvieren mit Bluthochdruck und Augenüberprüfung.

Lual ist interessiert an einer Trinkwasserabfüllanlage wenn wir auf Trinkwasser stossen. Ashwil wartet auf Placement als Botschafterin bei einer internationalen Institution oder einen Weiterbildungsaufenthalt im Ausland. Derzeit werden allerdings Personalstände in allen Botschaften des SüdSudan aus Geldmangel reduziert.

Der MiakWadang-Landcruiser, den wir von MSF übernommen haben wurde bei den Kämpfen um Melut schwer beschädigt, ist aber einsatzbereit und wurde an SIM in Doro – Eli und Bethany Fader- verborgt unter der Auflage, dass er instandgehalten und womöglich repariert wird. Der zweite MSF-Pickup ist in Juba und fahrbereit. Lual hält die Fahrzeuge dort in Schuss und erledigt Erneuerung von Versicherungslizenzen etc. Mary ist sehr, sehr heikel mit dem neuen Landcruiser, er ist in gutem Zustand, sie filtert jede Tankfüllung durch ein Tuch, habe ihr extra Dieselfilter mitgebracht.

Mary’s Haus in Melut wurde total ausgeraubt, ebenso der Container.

Nicht alle gelagerten Koffer mit MiakWadangmaterial wurden in Niayok zerstört, die Zeit war zu kurz eine gründliche Inventur zu machen. Ein großes Zelt dürfte überlebt haben. Ein kleines Zelt und Basisausrüstung für Mary haben wir mitgebracht.

Da unser Gebiet derzeit nur aus der Luft zu erreichen und die Grenze zum Norden geschlossen ist sind wir mit Materiallieferungen sehr begrenzt. Wir können auf Hilfe von Minister Stephen hoffen uns manchmal bei einem Cargoflug etwas mitzunehmen.

Ein zufälliges Treffen gab es in einem Lokal mit dem IGAD-Botschafter Arop Deng Kuol, der den südsudanesischen Außenminister nach Wien bringen will.

Am Sonntag vor dem Abflug haben wir die SIC-Kirche  in MiyaSabaa besucht, wo viele Bürger aus Melut hingeflohen sind und sich derzeit dort angesiedelt haben. Beeindruckendes Kirchenleben. Wir haben auch eine Frau, Atong, getroffen, die von sich aus begonnen hatte Dinkafrauen in ihrer Sprache Schreiben und Lesen beizubringen. Mary hat sie auf die Gehaltsliste gesetzt, ein sehr förderungswürdiges Projekt und wir sollten über eine Neuauflage der Dinka-Lehrbücher nachdenken, Mary wird Preise zum Druck in Juba einholen. Haben auch einige sehr begabte Kinder getroffen, die förderungswürdig wären und wir sollten ein Stipendienprogramm entwerfen. Diese Kinder können sich kein Schulgeld leisten für die Schulen in der Hauptstadt und stecken seit 3 Jahren ohne Schule fest.

Überraschung gab es am Abflugtag, Montag, als uns eröffnet wurde, dass der EgyptAir-Flugplan auf Nachmittag geändert wurde. Abflug des Anschlußes in Kairo 15.15 und Abflug Juba 15.30 gehen sich irgendwie nicht aus. Konnten dann auf Turkish Airways ab Kairo nach Istanbul und dann Wien umbuchen. Allerdings ein Tag Verspätung und Ordinations- und Seminarverschiebung. Wer behauptet im Busch gut schlafen zu können darf sich über Bänke in Istanbul zwischen Mitternacht und 8 Uhr früh nicht beklagen. Das Gegenszenario war perfekt, erste Klasse upgegraded von Istanbul nach Wien, dafür ein Koffer nicht mitgekommen.

Sind recht dankbar für diese dichte Reise für MiakWadang und die Ergebnisse und Zukunftsorientierungen. Vor der Reise hatten wir viel Gegenwind von besorgten Mitbürgern, die nicht verstehen konnten, dass wir in ein Kriegsgebiet reisen. Das ging bis zur Österreichisch-Südsudanesischen Gesellschaft, Außenministerium, Sicherheitsdirektion und Botschaft in Addis Abeba. Schutzbrief wurde ausgestellt und besondere Verwarnung ausgesprochen, dass die österreichische Regierung nichts für uns tun könnte, da generelle Reisewarnung bestünde und schon gar nicht in Gebieten ausserhalb der Hauptstadt. Mein letztes Argument war immer: Wir sind überzeugt, dass Gott uns diese Reise vorbereitet hat. Wir hätten alles Recht aus Sicherheitsgründen diese Reise nicht anzutreten. Aber wenn wir dann herausfänden, was wir versäumt haben wäre das schwerer zu ertragen als die Unsicherheiten. Zu Gottes Ehre will ich sagen, dass er so viel Unerwartetes vorbereitet hat, so viele Begegnungen, sodaß wir mit viel Dankbarkeit zurückgekommen sind. “If you want to have fruit you have to go out on the limb” – “Frucht findet man an den unsicher erscheinenden Ästen und nicht in der Geborgenheit nahe beim Stamm”. Nach den 40 – 45 Grad Tagen in Juba und heißen Nächten, die nicht gerade erholsam waren sind jetzt die Nächte mit Albträumen dran, erklärlich durch das Abfallen der Spannung.

Hatte wieder Kontakt mit MSF und Uni Salzburg wegen der Brunnen. Minister Stephen wäre sehr dankbar für Beratung wie man mit den Umweltbelastungen der Ölförderung umgehen könnte. Habe diesbezüglich schon DI Franz Neubacher von der UVP kontaktiert, der bei unserer Gründungsversammlung dabei war, ein Melutveteran.

Von MiakWadang SouthSudan und von allen , die durch Österreich große Hilfe erfahren, ein herzliches Dankeschön. Dank an den Vorstand, die treuen Spender, die Serviceclubs, den Bauernladen, die Österreichisch-SüdSudanesische Gesellschaft, die OÖLandesregierung, viele, die mitdenken und MiakWadang tatkräftig zur Seite stehen.